Radek Němeček ist seit mehr als zehn Jahren mit der AUREL Gruppe verbunden. Er durchlief zahlreiche technische Positionen, vom Testen bis hin zu Analysen und spielt heute eine wichtige Rolle dabei, die Welt der Automobilindustrie mit den neuen Herausforderungen der Raumfahrtindustrie zu verbinden.
Herr Němeček, wenn Sie heute auf Ihre Anfänge im Bereich der Fahrzeugsicherheit zurückblicken: Hätten Sie damals gedacht, dass Sie eines Tages mit einer Weltraumagentur an einem Tisch sitzen und über Raketenantriebe sprechen würden?
Ehrlich gesagt: nein. Auch als ich vor zehn Jahren als Testngenieur im Bereich der passiven Sicherheit in unser Unternehmen eintrat, wusste ich noch nicht wirklich, worauf ich mich einließ. Mit der neuen Rolle, die ich nun übernommen habe, ist es im Grunde ähnlich.
Das Projekt JARMIL hat die Teams von AUREL und LENAM in einer völlig neuen technischen Disziplin zusammengebracht. Es ist nicht selbstverständlich, innerhalb einer Unternehmensgruppe sowohl Mitarbeiter zu haben, die Komponenten am Computer konstruieren, als auch Teams, die Simulationen durchführen und anschließend alles unter realen Bedingungen testen. Macht diese Verbindung für Ihre Partner Sinn? Beeinflusst sie deren Entscheidungen?
Gerade die Tatsache, dass unsere Gruppe alle diese Aufgaben abdecken kann, ist für unsere Partner aus der Raumfahrtindustrie von unschätzbarem Wert. Es gibt zahlreiche Akteure, die einzelne Disziplinen beherrschen. Es gibt jedoch nur wenige, die das gesamte Leistungsspektrum unter einem Dach vereinen.
Ihre Unternehmensgruppe arbeitet seit Langem für die größten Akteure der Automobilindustrie. Diese Branche ist für ihren extremen Termin- und Präzisionsdruck bekannt. Hilft Ihnen diese harte „Automobilschule“ auch bei Luft- und Raumfahrtprojekten, bei denen die Anforderungen an die Zuverlässigkeit ebenfalls sehr hoch sind?
Auf jeden Fall. Die beiden Branchen ähneln einander bis zu einem gewissen Grad, und die Erfahrungen, die wir bei zahlreichen Automobilmarken gesammelt haben, lassen sich auch auf diesen neuen Bereich übertragen.
Das Entwicklungstestgelände in Břehyně ist ein geschlossenes, überwachtes Areal mit strenger Sicherheitszertifizierung. Welche Rolle spielt eine eigenes Testgelände bei Verhandlungen mit internationalen Partnern?
Unser Testgelände ist stark auf die Automobilindustrie ausgerichtet und spielt daher derzeit im Bereich der Luft- und Raumfahrt als solches keine Rolle. Allein die Tatsache, dass wir ein derart großes Areal unter strengen Geheimhaltungsbedingungen betreiben können, zeigt jedoch, dass wir auch eine solche Herausforderung bewältigen können.
In der Raumfahrtbranche wird heute viel über den Trend New Space gesprochen – alles ist deutlich schneller und dynamischer als früher. Fühlen Sie sich in diesem dynamischen Umfeld dank Ihrer Erfahrungen aus der Automobilindustrie zu Hause?
Die Automobilindustrie ist eine relativ starre Branche. Bis zur Coronapandemie waren die Prozesse weniger flexibel, alles hatte seinen festen zeitlichen Ablauf, und der Geschwindigkeitsdruck war nicht so ausgeprägt.
Die Pandemie hat jedoch vieles verändert, und inzwischen hat sich die Entwicklung in der Automobilindustrie deutlich beschleunigt. Ich denke, New Space folgt einer sehr ähnlichen Denk- und Arbeitsweise.
Wie weit möchten Sie die Raumfahrtaktivitäten Ihrer Unternehmensgruppe ausbauen? Haben Sie eine konkrete Vorstellung – beispielsweise von einem bestimmten Projekttyp oder Kunden, – von dem Sie derzeit nur träumen können?
Aktuell stehen wir noch ganz am Anfang. Ich könnte daher einige große Namen aus der Luft- und Raumfahrtbranche nennen, aber darauf werde ich wohl verzichten. Wir wären froh, wenn es uns gelingt, die Projekte erfolgreich abzuschließen, die derzeit bereits laufen. Dazu gehören das Projekt JARMIL sowie einige weitere Projekte, über die ich im Moment noch nicht sprechen werde.
Warum sollte sich ein europäischer Satelliten- oder Raketenhersteller gerade für eine Zusammenarbeit mit Ihnen entscheiden und Ihnen gegenüber großen, etablierten Branchenakteuren den Vorzug geben?
Vielleicht gerade deshalb, weil wir kein großer, etablierter Akteur sind und umfassende Leistungen aus einer Hand anbieten.
Was bedeutet es für Sie persönlich, an der Entwicklung von Technologien mitzuwirken, die tatsächlich ins Weltall fliegen werden?
Vor allem bedeutet es für mich, dass ich jetzt begonnen habe, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die sich auf diesem Gebiet wirklich auskennen – und das ist für mich sehr inspirierend.



