AUREL ist ein bekannter Partner führender tschechischer sowie ausländischer Automobilbauer. Sein Know-how setzt das Unternehmen heute jedoch auch weit über die Grenzen der Automobilindustrie hinaus ein. Eines der Beispiele ist ForeScan3D – eine eigene Scantechnologie zur detaillierten 3D-Erfassung des menschlichen Körpers sowie anderer Objekte. Ein einziger Scan kann Hunderte von Fotos ersetzen und ein präzises, messbares 3D-Modell erstellen, auf das man jederzeit zurückgreifen kann. Wir haben mit Štěpán Cvejn, dem Vertriebsleiter von AUREL, darüber gesprochen, welche Möglichkeiten sich daraus für die tägliche Praxis ergeben.
Herr Cvejn, könnten Sie uns einleitend ForeScan3D vorstellen?
Wir haben die langjährige Erfahrung von AUREL im Bereich der fortschrittlichen optischen 3D-Messtechnik für Automobilbauer genutzt und eine eigene Technologie entwickelt. ForeScan3D ist ein automatisches System, das mit hoher Genauigkeit ein dreidimensionales Modell der Struktur des menschlichen Körpers erstellt. Gleichzeitig werden auch die feinsten Details der Oberfläche erfasst, einschließlich der Textur, der Farbtöne und weiterer kleiner Variationen. Das Ergebnis ist eine digitale Kopie des tatsächlichen Zustands, die weiter analysiert werden kann.
ForeScan3D ist in erster Linie für die Forensik, die Gerichtesmedizin und die Pathologie bestimmt, kann jedoch überall dort zum Einsatz kommen, wo es erforderlich ist, den Zustand eines Objekts für eine spätere Analyse genau zu dokumentieren und langfristig zu erhalten. Experten können jederzeit auf das erstellte 3D-Modell zurückgreifen, zusätzliche Messungen vornehmen oder auch mit zeitlichem Abstand eine Dokumentation erstellen.
Wie entstand eigentlich die Idee, 3D-Scan-Technologien aus dem technischen Bereich in die Gerichtsmedizin zu übertragen?
Bei AUREL beschäftigen wir uns bereits seit mehr als 20 Jahren mit 3D Messungen, dem Scannen und der Verarbeitung technischer Daten. In dieser Zeit haben wir umfangreiche Erfahrungen mit der Entwicklung von Messtechnologien für anspruchsvolle industrielle Anwendungen gesammelt. Wir haben überlegt, wo unser Know-how auch außerhalb der Industrie von Nutzen sein könnte, und so entstand die Idee, es in der Gerichtsmedizin und Pathologie einzusetzen – einem Fachgebiet, in dem eine präzise, reproduzierbare und langfristig aufbewahrungstaugliche Dokumentation von außerordentlichem Wert ist.
Und vielleicht spielt dabei auch die Tatsache eine Rolle, dass unser Büro in Liberec direkt neben der Pathologie liegt. Auf jeden Fall war es uns wichtig, dass ForeScan3D nicht nur als Laborprototyp entstehen würde. Die gesamte Entwicklung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Pathologie in Liberec, wo wir das System über ein Jahr lang unter realen Betriebsbedingungen getestet haben. Dadurch haben wir uns nicht nur mit der Scantechnologie an sich befasst, sondern vor allem mit den alltäglichen Bedürfnissen der Ärzte und ihren Arbeitsabläufen.
Für uns ist das eigentlich eine ganz natürliche Fortsetzung. Wir sind in der Lage, präzise Messtechnologien zu entwickeln, und es liegt für uns nahe, nach weiteren Bereichen zu suchen, in denen diese von Nutzen sein können. Diese Technologie zeigt, dass Erfahrungen aus der Automobilbranche auch in anderen Bereichen sehr praktische Anwendung finden können.
Worin sehen Sie die größten Vorteile von ForeScan3D für die tägliche Praxis?
Für einen Gerichtsmediziner ist es von entscheidender Bedeutung, sich erneut mit einem Fall befassen zu können. Der Körper verändert sich, die Obduktion findet statt, und der ursprüngliche Zustand lässt sich nicht mehr exakt wiederherstellen. Die digitale 3D-Aufzeichnung bleibt jedoch erhalten. Der Arzt kann zum Modell zurückkehren, sich etwas noch einmal ansehen, ein Detail vermessen oder eine Dokumentation erstellen.
Einen großen Beitrag sehe ich in der Standardisierung. Die übliche Fotodokumentation hängt stark vom Menschen ab – vom Blickwinkel, vom Licht, vom Maßstab und von der Systematik. ForeScan3D hilft dabei, den gesamten Prozess zu vereinheitlichen und menschliche Fehler zu minimieren. Die hohe Präzision gewährleistet, dass auch sehr feine Details, die entscheidend sein können, erfasst werden. Und genau das ist es, was Fachleute aus der Praxis sehr schätzen.
Ein großer Vorteil ist die sehr intuitive und einfache Bedienung. Ich sage mal ganz übertrieben: Wer mit einer Kaffeemaschine umgehen kann, der kann auch die Grundlagen der Bedienung dieses Scanners erlernen. Natürlich erst nach einer Einschulung und unter Einhaltung der richtigen Vorgehensweise, aber die Bedienung stellt wirklich kein Hindernis dar. Von Anfang an wollten wir, dass es sich nicht um ein Gerät handelt, das den Arbeitsplatz noch komplizierter macht. Im Gegenteil – es soll einen Teil der Routinearbeit übernehmen.
Und nicht zuletzt spart es auch erheblich Zeit.
Wer sind die Hauptnutzer des Geräts? Ist es ausschließlich für Gerichtsmediziner bestimmt, oder findet es auch in anderen Fachgebieten Anwendung?
Derzeit richten wir uns in erster Linie an die Gerichtsmedizin, die Pathologie und forensische Arbeitsplätze. Das ist die Umgebung, für die ForeScan3D entwickelt wurde und in der es unserer Meinung nach am sinnvollsten ist.
Für die Zukunft wollen wir seine Nutzung jedoch nicht auf einen einzigen Bereich beschränken – im Gegenteil, wir sehen auch in anderen Branchen großes Potenzial. Überall dort, wo die Körperoberfläche, ein Körperteil oder ein bestimmter Befund genau dokumentiert werden muss, kann ein solches System zum Einsatz kommen. Dabei kann es sich um die Identifizierung von Personen, um Unterricht, um Forschung oder um fachliche Beratungen zwischen Arbeitsstätten handeln. Das Grundprinzip ist immer dasselbe – eine hochwertige digitale Aufzeichnung zu erstellen, auf die man jederzeit zurückgreifen kann.
Ist ForeScan3D ausschließlich für den tschechischen Markt bestimmt, oder möchten Sie auch ins Ausland vorstoßen?
Wir wollen uns auf keinen Fall nur auf den tschechischen Markt beschränken. Wir haben es bereits auf internationalen Konferenzen vorgestellt und Kontakte zu Experten und Institutionen aus dem Bereich der Forensik und Sicherheitstechnologien in ganz Europa geknüpft. Es bestätigt sich, dass die Nachfrage nach präzisen digitalen Instrumenten steigt und unsere Technologie gut darauf reagiert. Gleichzeitig ist dies für uns eine Bestätigung, dass wir das Know-how, das wir bei AUREL im Automobilbereich aufgebaut haben, erfolgreich auch auf andere Branchen übertragen können. Und genau in diese Richtung wollen wir uns weiterentwickeln.
Bedeutet das, dass sich bereits konkrete Kooperationen mit dem Ausland abzeichnen?
Ja, wir sehen bereits jetzt, dass das Thema auch außerhalb der Tschechischen Republikauf Interesse stößt. Derzeit zeichnet sich beispielsweise die Slowakei als sehr vielversprechend ab. Wir haben ForeScan3D auf dem tschechisch-slowakischen Kongress der Gerichtsmediziner in Špindlerův Mlýn vorgestellt, und genau dort konnten wir einige konkrete Kontakte knüpfen. Gleichzeitig schauen wir auch über den Tellerrand hinaus – auf Europa und über dessen Grenzen hinweg.
Auf diesem tschechisch-slowakischen Kongress für Gerichtsmedizin fand das Thema der Verwendung von Untersuchungsergebnissen als Beweismaterial großen Anklang. Inwiefern hilft Ihr Scanner dabei, eine glaubwürdigere Dokumentation zu erstellen?
ForeScan3D erstellt eine kalibrierte 3D-Aufnahme der Körperoberfläche, sodass das Ergebnis nicht nur eine Reihe von Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln ist, sondern ein vollständig messbares räumliches Modell. Die Genauigkeit des Systems liegt je nach Betriebsart bei bis zu ±1 mm bei einer Messentfernung von 1 m. Dies ist für die Dokumentation von Oberflächenmerkmalen, Verletzungen, Narben oder Tätowierungen von großer Bedeutung, da man später im Modell darauf zurückgreifen und sie erneut überprüfen kann.

Zdroj: Czech-Slovak Congress of Forensic Medicine
Ärzte interessieren sich oft für die Geschwindigkeit der Verarbeitung. Wie lange dauert die Erstellung eines vollständigen 3D-Modells?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ForeScan3D den Ärzten nach der ordnungsgemäßen Inbetriebnahme einen erheblichen Teil der Routinearbeit abnimmt und ihnen viel Zeit spart. Das Scannen des Körpers selbst dauert je nach ausgewählter Betriebsart etwa 10 bis 15 Minuten. Die Rekonstruktion des Modells dauert etwa 10 Minuten, je nach Datenumfang und gewähltem Verfahren. Ein großer Vorteil ist, dass die Optimierung des Modells nicht sofort erfolgen muss. Sie kann je nach den Bedarf des Arbeitsplatzes und dem festgelegten Arbeitsablauf auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Die klassische Fotografie hat ihre Grenzen. Inwiefern ist der 3D-Scan bei der Dokumentation von Oberflächenverletzungen und anderen Merkmalen vorteilhafter?
Die Fotografie ist auf jeden Fall wichtig und hat in der Praxis ihren Platz. Ihr Nachteil besteht jedoch darin, dass sie stark von der Person, vom Aufnahmewinkel, den Lichtverhältnissen und davon abh§ngt, wie sorgfältig die gesamte Dokumentation durchgeführt wird.
ForeScan3D erstellt darüber hinaus eine vollständige räumliche Aufzeichnung. Das bedeutet, dass ich mir den Befund nicht nur anhand eines einzelnen ausgewählten Fotos ansehen muss, sondern mich im Modell bewegen, Details heranzoomen und präzise Messungen vornehmen kann. Einen deutlichen Beitrag sehen wir vor allem bei Verletzungen, Narben, Einstichstellen, Tätowierungen oder anderen Oberflächenmerkmalen. So ist es uns beispielsweise gelungen, auch die Spuren eines entfernten Tattoos zu erkennen, die mit bloßem Auge kaum sichtbar waren.
Die Arbeit der Gerichtsmediziner wird oft durch routinemäßige administrative Aufgaben belastet. Kann ForeScan3D diese Arbeit vereinfachen?
Ja. Natürlich übernimmt es nicht die Arbeit eines Gerichtsmediziners und ersetzt auch nicht dessen fachliches Urteil. Es kann jedoch einen Teil der Routinedokumentation übernehmen und diese einheitlicher gestalten. Es geht also nicht darum, dass das System die „Papierarbeit erspart“. Vielmehr trägt es dazu bei, eine Dokumentation zu erstellen, die übersichtlicher, leichter reproduzierbar und auch nach längerer Zeit besser nutzbar ist.
Wie kompliziert ist die Bedienung des ganzen Systems? Muss der Arzt zum IT-Experten werden, oder wird die Software intuitiv bedient?
Das ist einer der Hauptvorteile. Die Bedienung des Geräts kann wirklich jeder erlernen. Natürlich bedarf es einer Einschulung, und man muss lernen, die richtigen Vorgehensweisen einzuhalten, aber die Bedienung an sich ist einfach. Der Bediener bereitet den Arbeitsplatz vor, richtet den Scanvorgang ein, und das System arbeitet anschließend vollautomatisch. Das Ziel der Entwickler bei AUREL ist es, dass die Technologie den Ärzten keine zusätzlichen Komplikationen bereitet. Es soll ihnen helfen, qualitativ hochwertige Daten zu erhalten, und nicht sie zu zwingen, sich mit komplizierter Technik auseinanderzusetzen.
Wie arbeitet ForeScan3D mit Daten und welche Möglichkeiten gibt es, diese gemeinsam zu nutzen oder zu integrieren?
Das Gerät erstellt 3D-Daten, mit denen die Ärzte anschließend in der Software weiterarbeiten. Für die alltägliche Arbeit ist ein optimiertes Modell wichtig, das eine praktische Größe für die Anzeige, Vermessung, gemeinsame Nutzung und Archivierung aufweist. Das vollständige Projekt ist datenmäßig umfangreicher und dient als umfassende Vorlage. Der Benutzer muss jedoch nicht jedes Mal mit dem gesamten Datenvolumen arbeiten – was in der Praxis ziemlich wichtig ist. Jeder Arbeitsplatz verfügt über andere interne Systeme, andere Regeln sowie andere Archivierungsverfahren. Deshalb gehen wir bei der Integration individuell auf konkrete Anforderungen ein – so wie wir es bei AUREL gewohnt sind.

Vom tschechisch-slowakischen Kongress haben Sie zahlreiche Anregungen mitgenommen. Woran arbeitet Sie derzeit mit dem Team?
Wir haben vom Kongress vor allem viele praktische Fragen mitgenommen. Die Ärzte interessierten sich für die Geschwindigkeit, die Arbeit mit dem Modell, die Archivierung, die Verwendbarkeit für Dokumentationszwecke, die Möglichkeiten zum Scannen verschiedener Körperteile sowie dafür, wie sich solche Ergebnisse richtig in die Fachpraxis integrieren lassen. Derzeit konzentrieren wir uns vor allem auf die Erstellung verständlicher Unterlagen für Ärzte – von Websites über Datasheets und Präsentationen bis hin zu Beispielen für konkrete Ergebnisse.
Gleichzeitig sammeln wir Feedback aus den einzelnen Einrichtungen und passen auf dieser Grundlage nicht nur die Art und Weise an, wie wir ForeScan3D den Ärzten vorstellen, sondern auch die eigentliche Einführung des Systems in die tägliche Praxis. Wir wollen, dass der gesamte Prozess auf den tatsächlichen Erfahrungen von Fachleuten basiert und der tatsächlichen Arbeitsweise von pathologischen und gerichtsmedizinischen Einrichtungen entspricht. Gerade dank der engen Zusammenarbeit mit den Benutzern können wir das System so weiterentwickeln, dass es ihre tatsächlichen Bedürfnisse zufriedenstellt.
Wie kann sich Ihrer Meinung nach die 3D-Digitalisierung in den forensischen Wissenschaften in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
Ich glaube, dass die 3D-Digitalisierung in der Forensik nach und nach immer häufiger zum Einsatz kommen wird, genau wie auch in anderen Fachgebieten. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie eine Obduktion oder die Erfahrung eines Gerichtsmediziners ersetzt. Sie fügt jedoch eine weitere Ebene der Dokumentation hinzu. Heutzutage wird viel mit Fotos, Beschreibungen und anderen Methoden gearbeitet. Das 3D-Modell sorgt zusätzlich für eine Reihe praktischer Vorteile und hilft, Zeit zu sparen.
Meiner Meinung nach wird es in der Zukunft vor allem darauf ankommen, die einzelnen Methoden – Fotografie, 3D-Dokumentation und fachliche Beschreibung miteinander zu verknüpfen. Jede von ihnen hat ihren Platz. ForeScan3D kann eines der Instrumente sein, die dazu beitragen, die Dokumentation einheitlicher, genauer, übersichtlicher und auch nach Jahren noch besser nutzbar zu gestalten.
Vielen Dank für das Interview.



