Die Sicherheit autonomer Systeme entsteht nicht erst auf der Straße, sondern im Laufe von Tausenden von Stunden der Entwicklung, Erprobung und Validierung. Die tschechische Studienreise in die Schweiz, die zu den europäischen Vorreitern im Bereich der intelligenten Mobilität zählt, bot einen Einblick in die letzte Phase der Erprobung automatisierter und autonomer Mobilitätssysteme. Schweizer Experten stellten vor, wie sie die Funktionsfähigkeit und Sicherheit dieser Systeme im realen Betrieb überprüfen. Entscheidend ist dabei die Verknüpfung von Simulationen, digitalen Modellen, Testinfrastruktur und realen Verkehrsbedingungen – also ein Ansatz, den wir bei AUREL seit langem weiterentwickeln.
Die Schweiz fördert die autonome Mobilität auf Bundesebene
Die Projekte ADS (Automated Driving Systems) und Konzepte CCAM (Cooperative, Connected and Automated Mobility) werden Teil des realen Betriebs. Genau dieser Thematik widmete sich die tschechische Fachdelegation in der Schweiz, darunter auch Vertreter von AUREL Robert Stoff-Riegel und Jan Ritter.
Die Studienreise wurde dank der Unterstützung der Schweizer Botschaft in der Tschechischen Republik und des Programms Presence Switzerland des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) realisiert, das die internationale Zusammenarbeit, Innovationen und den Know-how-Austausch zwischen der Schweiz und ihren Partnerländern fördert. Die Mitglieder der tschechischen Delegation hatten die Gelegenheit, mit Vertretern des Ministeriums sowie des Bundesamtes für Straßenwesen (FEDRO/ASTRA) zu sprechen, die an der Entwicklung moderner Mobilität und der damit verbundenen Gesetzgebung beteiligt sind.
Die Schweiz gehört zu den europäischen Vorreitern bei der praktischen Erprobung autonomer Mobilität. Seit März 2025 erlaubt die hiesige Gesetzgebung das Testen von Fahrzeugen der Stufe SAE L4 auch außerhalb des regulären Typgenehmigungsverfahrens. Die Behörden prüfen jedes Fahrzeug und jedes Betriebskonzept individuell und genehmigen die einzelnen Betriebsphasen schrittweise innerhalb eines genau definierten Betriebsbereichs (TOD/Target Operational Domain). Neben der technischen Sicherheit beobachten sie auch, wie vorhersehbar und zuverlässig sich autonome Systeme in verschiedenen Verkehrssituationen verhalten.
Von der autonomen Zustellung bis zum öffentlichen Nahverkehr der Zukunft
Die neunzehn Pilotprojekte liefern wichtige Erkenntnisse für die künftige Einführung der automatisierten Mobilität und dienen der praktischen Überprüfung regulatorischer, technischer und betrieblicher Aspekte des Einsatzes von Fahrzeugen der SAE-Stufe L4. Gleichzeitig dient dies der Weiterentwicklung von Instrumenten, die den Übergang von Pilotprojekten zum regulären kommerziellen Betrieb autonomer Fahrzeuge erleichtern sollen.
Die Mitglieder der tschechischen Delegation besuchten mehrere laufende Pilotprojekte, die bereits heute den praktischen Einsatz autonomer Mobilität veranschaulichen. Ein konkreter Beweis für die Funktionsfähigkeit des Schweizer Ansatzes ist das Projekt der Firmen Planzer und LOXO, in dessen Rahmen das autonome Fahrzeug „Mathilde“ in Bern die Zustellung von Sendungen auf der letzten Etappe der Lieferkette ohne Fahrer am Steuer gewährleistet.
Die Reise bot zudem einen Einblick in die Fortschritte im Bereich des autonomen öffentlichen Nahverkehrs. Das Projekt SCCL (Self-Controlled City Liner) in Arbon betreibt einen vollelektrischen, autonomen Bus ARTOUR, der von der Gesellschaft ADASTEC Corp entwickelt wurde. Der 8,3 Meter lange Bus mit 20 Sitzplätzen bedient Linien in der Altstadt und wird derzeit für den Betrieb der Stufe L4 mit Teleoperationsunterstützung vorbereitet.
Inspirierend war auch das Projekt IAMO (Intelligent Automated Mobility), das den Einsatz autonomer Fahrzeuge erprobt, um eine zugängliche Verkehrsanbindung nicht nur in Städten, sondern auch in weniger dicht besiedelten ländlichen Gebieten zu gewährleisten, in denen ein konventioneller Linienverkehr wirtschaftlich nicht tragbar ist. Der gemeinsame Nenner aller besuchten Projekte war der Schwerpunkt Sicherheit, realistische Tests im Normalbetrieb und Einsatz von Fernüberwachung als integraler Bestandteil autonomer Systeme.
Die Praxis in der Schweiz zeigt, wie wichtig Vernetzung ist
Die Entwicklung automatisierter Steuerungssysteme (ADS) erfolgt in Übereinstimmung mit den Prinzipien des System-Engineering und des V-Modells, beginnend mit der Definition der Operational Design Domain (ODD) und der Sicherheitsanforderungen gemäß den Normen ISO 26262 und ISO 21448. Es folgen der Entwurf der System- und E/E-Architektur, die Integration der Sensoren sowie die Entwicklung von Funktionen zur Umgebungswahrnehmung, Positionsbestimmung und Trajektorienplanung. Der gesamte Prozess wird schließlich durch umfangreiche Tests, Verifizierungen und Validierungungen abgeschlossen.
Dieser Ansatz entspricht den aktuellen Trends bei der Bewertung der Sicherheit von ADS. Moderne Methoden wie UNECE VMAD, NATM oder die Normen der Reihe ISO 3450x, stützen sich nicht mehr ausschließlich auf reale Fahrversuche. Die Sicherheit wird anhand einer Kombination aus szenariobasierten Simulationen, Software-in-the-Loop (SiL), Hardware-in-the-Loop (HiL), Vehicle-in-the-Loop (ViL), Tests auf Teststrecken und begrenzten Tests im realen Betrieb bewertet. Ziel ist es, eine ausreichend fundierte Sicherheitsargumentation für das gesamte automatisierte System im Rahmen des genehmigten ODD zu erstellen.
Der gemeinsame Nenner aller erfolgreichen Projekte ist die Betonung von Validierung und Sicherheit. Die Erfahrungen in der Schweiz zeigen, dass Simulationen allein und auch Laborumgebungen nicht ausreichen. Erst im realen Betrieb zeigen sich unvorhersehbare Situationen, Interaktionen mit anderen Verkehrsteilnehmern und Grenzfälle, die für die tatsächliche Sicherheit und Betriebsfähigkeit der Systeme entscheidend sind. Auch die Fernsteuerung und die Fernüberwachung spielen eine wichtige Rolle. Der menschliche Bediener bleibt ein wichtiger Bestandteil der Sicherheitsarchitektur und hilft bei der Bewältigung von Ausnahmesituationen, mit denen ein autonomes System nicht immer allein zurechtkommt.
„Am meisten hat uns beeindruckt, wie die Schweizer es schaffen, die technologische Entwicklung auf ganz natürliche Weise mit ihrer Erprobung in der Praxis zu verbinden. „Entscheidend wird die Fähigkeit sein, Simulationen, digitale Zwillinge, die Testinfrastruktur und den realen Betrieb zu einem funktionierenden Ganzen zu integrieren“, so eines der Mitglieder der tschechischen Delegation Jan Ritter von AUREL.
Das AUREL Testgelände ist auf die Herausforderungen der autonomen Mobilität vorbereitet

Genau diesen ganzheitlichen Ansatz entwickeln wir derzeit in AUREL weiter. Das AUREL Testgelände in Břehyně bei Doksy bietet alles unter einem Dach – eine moderne Infrastruktur, einen digitalen Zwilling, Virtuelle Fahrzeugmodelle, Simulationswerkzeuge und der im Aufbau befindliche 5G-Campus zur Unterstützung fortgeschrittener Tests im Bereich der autonomen Mobilität und der Fernüberwachung von Fahrzeugen.
Dadurch lassen sich kritische Szenarien, Fahrzeugreaktionen und das Verhalten von Systemen in Situationen sicher überprüfen, deren Test im normalen Straßenverkehr schwierig oder risikobehaftet ist. Das geschlossene Testgelände bietet eine kontrollierte Umgebung für den Vergleich der Simulationsergebnisse mit dem tatsächlichen Fahrverhalten der Fahrzeuge und die schrittweise Kalibrierung der Modelle vor ihrem Einsatz auf öffentlichen Straßen.
Erfahrungen aus der Schweiz bestätigen, dass die Zukunft der autonomen Mobilität von der Verknüpfung von Technologien, Testinfrastruktur und realem Straßenverkehr abhängt. Auch AUREL schlägt denselben Weg ein. Wir bauen ein modernes Test-Ökosystem auf und fördern die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschungseinrichtungen. Der Besuch in der Schweiz war somit nicht nur eine Inspiration, sondern auch eine Bestätigung dafür, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, den Trends entspricht, die heute die Zukunft der intelligenten Mobilität in Europa bestimmen.
Autonome Mobilität erfordert zuverlässige Daten, wiederholbare Tests und eine sichere Validierungsumgebung. Rufen Sie uns an – wir besprechen mit Ihnen die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Erprobung von Technologien für die Mobilität der Zukunft..









