{"id":4009,"date":"2026-08-05T11:00:42","date_gmt":"2026-08-05T09:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/?p=4009"},"modified":"2026-08-31T14:17:23","modified_gmt":"2026-08-31T12:17:23","slug":"wie-entwickelt-man-fuer-den-weltraum-technische-sicherheit-entsteht-durch-eine-vielzahl-von-tests","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/blog\/wie-entwickelt-man-fuer-den-weltraum-technische-sicherheit-entsteht-durch-eine-vielzahl-von-tests\/","title":{"rendered":"Wie entwickelt man f\u00fcr den Weltraum? Technische Sicherheit entsteht durch eine Vielzahl von Tests"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Miroslav Palko ist kein reiner Theoretiker am Schreibtisch. Er verf\u00fcgt \u00fcber umfangreiche Erfahrungen in der Automobilindustrie, wo er Renngetriebe baute und an der Entwicklung extrem leichter Fahrzeugprototypen arbeitete. Heute sollen seine Ideen jedoch wesentlich h\u00f6her hinaus \u2013 direkt ins Weltall.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Sie leiten die Entwicklung des Projekts JARMIL. K\u00f6nnten Sie zun\u00e4chst erl\u00e4utern, was sich genau hinter diesem Namen verbirgt?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der <a href=\"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wir-nehmen-kurs-in-richtung-luft-und-raumfahrt-bedeutung-des-jarmil-epc-2k-projektes-fuer-uns\/\">Name JARMIL<\/a> entstand erst ungef\u00e4hr im siebten Anlauf und bezeichnet im Grunde die Kombination aus zwei Pumpen und dem eigentlichen Triebwerk.<\/span><\/p>\n<p><b>Etwas f\u00fcr den Weltraum zu entwickeln bedeutet, mit extremen Bedingungen zu rechnen \u2013 von eisiger K\u00e4lte bis hin zur Hitze des Triebwerks. Was ist die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung dabei, eine Pumpe so zu entwerfen, dass sie den Vibrationen beim Start standh\u00e4lt und anschlie\u00dfend in der unwirtlichen Umgebung des Weltraums fehlerfrei funktioniert?\u00a0<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es sind nicht nur K\u00e4lte und Frost, auf die man sich bei solchen Missionen konzentrieren muss.\u00a0 <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Durch unsere Arbeit an verschiedenen Vorrichtungen f\u00fcr Airbus sind wir an einen hohen administrativen Aufwand gew\u00f6hnt, bei Weltraumprojekten liegt dieser jedoch noch einmal zwei Stufen h\u00f6her.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Entwicklung eines funktionsf\u00e4higen Prototyps im Rahmen von Projekten der <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Space_in_Member_States\/Czechia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europ\u00e4ischen Weltraumorganisation ESA<\/a> wird allerdings bis zu einem gewissen Grad dadurch erleichtert, dass die ESA einen durch den gesamten Prozess f\u00fchrt. Man muss niemals sofort eine vollst\u00e4ndige, fertige L\u00f6sung vorlegen. Die ESA verlangt ausdr\u00fccklich, dass man in kleinen Schritten vorgeht. Dabei \u00fcberwacht sie den Prozess kontinuierlich. Bevor wir also die Phase des endg\u00fcltigen Produkts erreichen, wird bereits eine enorme Anzahl einzelner Komponenten getestet worden sein. Dadurch soll verhindert werden, dass das System in den Orbit gelangt und dort pl\u00f6tzlich ein gravierendes Problem auftritt.<\/span><\/p>\n<p><b>Dank der Simulationen Ihrer Kollegen von LENAM sehen Sie die Ergebnisse, noch bevor die Pumpe tats\u00e4chlich produziert wird. L\u00e4sst sich beziffern, wie viel Zeit und wie viele Prototypen Ihnen dieses \u201evirtuelle Testen\u201c erspart, bevor Sie mit der endg\u00fcltigen Fertigung f\u00fcr die ESA beginnen?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Prozentual l\u00e4sst sich das nur sehr schwer ausdr\u00fccken, aber die Unterst\u00fctzung ist enorm. Da wir von <a href=\"https:\/\/www.lenam.cz\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LENAM<\/a> erste Ergebnisse erhalten, k\u00f6nnen wir diese anschlie\u00dfend selbst nachrechnen und verschiedene Varianten durchspielen. In die anschlie\u00dfende Fertigung im Prototypen- und Innovationszentrum der Fakult\u00e4t f\u00fcr Maschinenbau in Ko\u0161ice gelangt dann nur noch ein bereits \u00fcberpr\u00fcftes Modell. Wenn alles gefertigt ist, k\u00f6nnen wir bei AUREL wiederum den urspr\u00fcnglichen Entwurf r\u00fcckwirkend vollst\u00e4ndig \u00fcberpr\u00fcfen. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Zwischen LENAM, dem <a href=\"https:\/\/www.sjf.tuke.sk\/sk\/archive\/clanky\/prototypove-a-inovacne-centrum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prototypen- und Innovationszentrum<\/a> und <a href=\"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/\">AUREL<\/a> besteht eine sehr gute Symbiose.<\/span><\/p>\n<p><b>Die Entwicklung f\u00fcr die ESA unterliegt \u00e4u\u00dferst strengen Vorschriften f\u00fcr die Dokumentation jedes einzelnen Details. Ist diese konsequente Kontrolle f\u00fcr Ihre Partner in der Luft- und Raumfahrt die wichtigste Garantie daf\u00fcr, dass die Technologie im Weltraum nicht versagt?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es stimmt, dass die B\u00fcrokratie, wenn wir es so nennen wollen, bei der ESA wirklich sehr ausgepr\u00e4gt ist. Andererseits kann ich das nachvollziehen. Die ESA kann es sich nicht leisten, etwas in den Orbit zu schicken, das \u201eirgendwie\u201c gefertigt wurde und \u201evielleicht funktioniert\u201c. Daher habe ich vollstes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die administrativ anspruchsvollen Schritte, die damit verbunden sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Prototypen- und Innovationszentrum verf\u00fcgen wir au\u00dferdem bereits \u00fcber umfangreiche Erfahrungen. Wir arbeiten sogar nach der Luftfahrtnorm AS9100, die es uns erm\u00f6glicht, Komponenten f\u00fcr die Luftfahrtindustrie herzustellen. Auch dort gelten sehr hohe Anforderungen \u2013 etwa an die R\u00fcckverfolgbarkeit der Materialien, Werkstoffzeugnisse, Fertigungsprozesse und die Kontrolle der endg\u00fcltigen Abmessungen. Es handelt sich um eine logische Weiterentwicklung, die uns voranbringt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Dokumentation allein garantiert jedoch noch nicht, dass die Technologie tats\u00e4chlich funktioniert. Worauf die ESA wirklich vertraut, sind die einzelnen Schritte. Wenn man ein Triebwerk mit zwei Pumpen zusammenbaut, geschieht das niemals in einem einzigen Schritt. Man muss ganz am Anfang beginnen &#8211; zuerst mit einer Pumpe, mit der s\u00e4mtliche Schritte durchlaufen werden und anschlie\u00dfend mit der zweiten Pumpe. Erst wenn jede einzelne Komponente separat getestet und erprobt wurde, d\u00fcrfen sie miteinander verbunden werden. Die ESA achtet sehr genau darauf, dass man weder zu fr\u00fch beginnt noch auf einer zu hohen technologischen Reifestufe, dem sogenannten Technology Readiness Level (TRL) einsteigt. In dieser Hinsicht ist sie sehr strikt.<\/span><\/p>\n<p><b>Die AUREL Gruppe ist vor allem f\u00fcr ihre hochentwickelte Entwicklungsarbeit, die Pr\u00fcfung der Fahrzeugsicherheit und Crash-Tests bekannt. Auf den ersten Blick scheint das weit vom Weltraum entfernt zu sein. Was haben Erfahrungen mit kritischen Szenarien im Stra\u00dfenverkehr mit der Entwicklung einer Pumpe f\u00fcr ein Raketentriebwerk gemeinsam?\u00a0<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auf den ersten Blick mag es tats\u00e4chlich wie zwei v\u00f6llig unterschiedliche Themen wirken. In Wirklichkeit sind jedoch die Ausstattung, das Fachwissen und die Erfahrungen der Mitarbeiter von unsch\u00e4tzbarem Wert. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Ob es um die Entwicklung einer Antriebswelle oder um <a href=\"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/tensometrie-verbessern-sie-ihre-konstruktionen-mit-einer-praezisen-und-bewaehrten-methode\/\">Dehnungsmessungen<\/a> an einer Antriebswelle geht, sie unterscheiden sich nicht grundlegend von Dehnungsmessungen an einer Zahnradpumpe. Auch dort gibt es Zahnr\u00e4der, es wird die Mikrogeometrie untersucht, und es werden Kr\u00e4fte an den Lagern und am Geh\u00e4use gemessen. Man arbeitet lediglich mit einem anderen Medium, bei vollkommen anderen Temperaturen und mit einer anderen Fl\u00fcssigkeit \u2013 aber das Prinzip bleibt dasselbe. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Die Physik ist \u00fcberall gleich.<\/span><\/p>\n<p><b>Sie selbst k\u00f6nnen auf eine interessante berufliche Laufbahn zur\u00fcckblicken, Sie haben Renngetriebe und extrem leichte Fahrzeugprototypen gebaut.<\/b> <b>\u00a0Hilft Ihnen diese praktische Erfahrung mit der Auslegung von Bauteilen &#8222;am technischen Limit <\/b><span style=\"font-weight: 400;\">\u201c<\/span><b> auch bei so komplexen Weltraumprojekten wie JARMIL?\u00a0<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jedes erfolgreich abgeschlossene Projekt bringt einem etwas Neues bei. Und je mehr Projekte im Laufe der Zeit hinzukommen, desto besser kann man diese Erfahrungen nutzen. Ich denke, jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um die bisherigen Erfahrungen in vollem Umfang einzusetzen.<\/span><\/p>\n<p><b>Ko\u0161ice ist vermutlich nicht die erste Stadt, an die man bei Weltraumentwicklung denkt. Wie schwierig ist es, ein solches \u00d6kosystem zwischen Universit\u00e4t und Industrie aufzubauen?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es ist nicht ganz einfach, aber genau mit dieser Vision hat sich das gesamte Prototypen- und Innovationszentrum an der Arbeit beteiligt. Im Rahmen des Zentrums arbeiten wir bereits aktiv mit Studierenden zusammen. Das bedeutet, dass sie nicht warten m\u00fcssen, bis sie ihr Studium abgeschlossen haben, sondern bereits w\u00e4hrend des Studiums praktische Erfahrungen sammeln k\u00f6nnen. Die Studierenden k\u00f6nnen w\u00e4hlen, ob sie sich f\u00fcr die Programmierung von CNC-Maschinen, Konstruktion oder Messtechnik interessieren, denn alle diese Bereiche befinden sich bei uns unter einem Dach. Und man merkt, dass ihnen diese Arbeit wirklich Freude macht. Da sie an realen Projekten mitarbeiten k\u00f6nnen, die tats\u00e4chlich funktionieren und zu den bedeutenden Ergebnissen des Zentrums geh\u00f6ren, sammeln sie enorme Erfahrungen.<\/span><\/p>\n<p><b>Im Weltraum gibt es weder einen Reparaturdienst noch einen zweiten Versuch, und auch keinen Seitenstreifen. Woran erkennen Sie als Ingenieur den Moment, in dem es an der Pumpe nichts mehr zu optimieren gibt und Sie sagen k\u00f6nnen: \u201eJetzt ist sie hundertprozentig zuverl\u00e4ssig, daf\u00fcr lege ich meine Hand ins Feuer\u201c?\u00a0<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es kommt auf die Anzahl der Tests an. Nach jedem Test m\u00fcssen die Komponenten zerlegt, detailliert untersucht und anschlie\u00dfend auf ihren Zustand \u00fcberpr\u00fcft werden. Heute l\u00e4sst sich dank der Werkzeuge von LENAM bereits vieles vorhersagen. Technische Sicherheit entsteht durch die Vielzahl der durchgef\u00fchrten Tests. Je mehr Probleme in dieser Phase auftreten, desto weniger Komplikationen k\u00f6nnen sp\u00e4ter im Orbit entstehen. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es selbstverst\u00e4ndlich nicht. Heute verf\u00fcgen wir jedoch \u00fcber Werkzeuge, mit denen sich das Risiko erheblich minimieren l\u00e4sst.<\/span><\/p>\n<p><b>Sie haben bereits Renngetriebe und Leichtbauprototypen entwickelt, und nun arbeiten Sie an Pumpen f\u00fcr Raketentriebwerke. Was treibt Sie pers\u00f6nlich bei der Suche nach den neuesten Technologien und Entdeckungen an?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das steckt vermutlich schon seit meiner Kindheit in mir. Da ich fr\u00fcher selbst geflogen bin, habe ich zudem eine sehr enge Beziehung zu diesem Bereich. Der Motorsport ist eine weitere Leidenschaft, die ich aktiv mit meiner Arbeit verbinden kann. Die Luft- und Raumfahrt hat mich schon immer fasziniert. Und die Verbindung zwischen den Studierenden, AUREL und LENAM ist f\u00fcr mich gewisserma\u00dfen ein wahr gewordener Traum.<\/span><\/p>\n<p><b>Dann w\u00fcnsche ich Ihnen, dass Sie sich diese Begeisterung bewahren, und danke Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Vielen herzlichen Dank.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Miroslav Palko ist kein reiner Theoretiker am Schreibtisch. Er verf\u00fcgt \u00fcber umfangreiche Erfahrungen in der Automobilindustrie, wo er Renngetriebe baute und an der Entwicklung extrem leichter<span class=\"excerpt-hellip\"> [\u2026]<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":4121,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[177,162,152,157],"tags":[],"class_list":["post-4009","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aerospace","category-entwicklung","category-innovation","category-interviews-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4009","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4009"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4009\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4012,"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4009\/revisions\/4012"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4121"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4009"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4009"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/forescan.semtix.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4009"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}